Gedichte zur Goldenen Hochzeit

Gedichte zur Goldenen Hochzeit können Sie einfach einer  DVD oder CD von uns zur Goldhochzeit hinzufügen.

Franz Emanuel August Geibel (1815-1884)

Wer treulich liebt, hat hohen Mut,
er weiß, er steht in Gottes Hut,
ihn schützt sein starkes Walten,
und mag er wandeln übers Meer,
die Engel schreiten um ihn her,
ihn über den Wogen zu halten.

Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769)

Ein Ehestand ist alsdann beglückt,
wenn eins sich an das andre schickt,
wenn eins das andre liebt uns scheut,
er nicht befiehlt, sie nicht gebeut,
und beide so behutsam sein,
als wollten’s erst einander frei’n.

Franz Grillparzer (1791-1872)

Zur goldnen Hochzeit

Golden, silbern, eisern, ehern
Nennt die Alter man der Welt,
Und zum niedern von dem höhern
Schreitet fort sie, wird erzählt.

Doch der Mensch in unsern Tagen
Sieht die Alter sich verkehrt!
Jugend, sie schon Sorgen plagen,
Zeigt nun eisern ihren Wert.

Erzgewappnet geht das Leben,
Selbst die Liebe wird zum Streit,
Und dem stets erneuten Streben
Liegt der Ruhe Glück so weit.

Erst nach durchgekämpften Jahren
Lacht das Schicksal wieder hold,
Und mit Silber in den Haaren
Wird die Zeit, die Ehe – Gold.

Johann Gottfried Herder (1744-1803)

Die goldne Hochzeit

Vor manchen, manchen Jahren,
Als ich zuerst Dich sah,
War Deine Locke rabenschwarz,
Braun Deine Wange da.
Jetzt ist die Wange blässer,
Wie Silber glänzt Dein Haar,
Und dennoch bist Du lieber mir,
Ja lieber,
Als mir der Jüngling war.

Des Lebens schroffen Hügel
Erstiegen Hand in Hand
Wir, wie es Wind und Wetter gab,
Hin über Fels und Sand.
Jetzt ist der Abend milder,
Wir stiegen sanft hinab,
Und dort am Fuß erwartet uns
Zusammen
Ein Brautgemach, das Grab.

Wolauf, Ihr Söhn‘ und Töchter,
Singt unsern Hochgesang
Und streuet Myrten vor uns her
Den kurzen Weg entlang!
Und preiset jede Stunde,
Die uns der Himmel gab!
Je länger und je lieber,
Je lieber,
Umschatt‘ einst unser Grab!

Luise Büchner (1821-1877)

Zu einer goldnen Hochzeit

Schweift der Geist zurück in jene Tage
Alter Zeiten, Schön’res er nicht findet,
Als das Schicksal, welches eine Sage
Uns von Philemon und Baucis kündet.

Treuerprobt im Glücke und im Leide,
Wuchs ihr Leben so in Eins zusammen,
Dass – damit der Tod sie niemals scheide,
Ließ ein Gott aus ihnen Bäume stammen,

Deren Zweige unauflöslich breiten
Sich zum Schattendache, und ein Tempel
Werden vielen Paaren, die voll Freuden
Nehmen dran ein liebendes Exempel.

Und mir däucht, es sei in diesem Paare
Philemon und Baucis neu erstanden –
Silberhell erglänzen ihre Haare,
Golden ihrer Treue feste Banden.

Treuerprobt im Glücke und im Leide,
Wuchs ihr Leben ganz in Eins zusammen,
Doch ein mild’rer Gott noch ließ für Beide
Höh’re Freude, süß’res Glück entstammen.

Noch im Vollgenuss der Lebensfülle,
Frisch am Geiste, frisch des Herzens Triebe,
Feiern sie in edler Menschenhülle
Heut‘ das seltne Jubelfest der Liebe!

Wohl seh‘ ich zwei Bäume sich verschlingen,
Doch nur als Symbol von jener Sage –
Lasst es euch von treuen Freunden bringen,
Die sich mit euch freu’n an diesem Tage!